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Schauspieler Tim Bergmann (lks) und Geschäftsführer der Carlé Gruppe Hans-Werner Häuser (rts) während der Veranstaltung in den Räumen von Carlé in Gießen. 
Schauspieler Tim Bergmann (lks) und Geschäftsführer der Carlé Gruppe Hans-Werner Häuser (rts) während der Veranstaltung in den Räumen von Carlé in Gießen.
vom 01.10.2018

"Im Dorf herrscht Schweigen"

Tim Bergmann las im Rahmen des Krimifestival Gießen am 29.09.2018 bei Carlé aus „Im Wald“ von Nele Neuhaus.

GIESSEN (paz). „Ihm ist etwas zugestoßen, weil ich ihn nicht beschützt habe.“ Mit diesen Worten, die einige Zuhörer zum Taschentuch greifen ließ, beendete Schauspieler Tim Bergmann – besser bekannt als Kommissar Oliver von Bodenstein – am Samstagabend seine emotional-spannende Lesung im Hause der Bedachungsfirma Carlé in Gießen.

Bergmann, der bereits seit „Eine unbeliebte Frau“ – der ersten Verfilmung eines Nele Neuhaus Krimis 2012 – erfolgreich den Kommissar Oliver von Bodenstein spielt, las aus dem letzten, im Oktober vergangenen Jahres erschienenen Taunus-Krimi „Im Wald“.

„Es kommt nicht häufig vor, dass ein Kommissar aus seinem eigenen Fall liest“, stellte er lachend zu Beginn dieses zweiten Abends des Gießener Krimifestivals fest. Und vor allem nicht bei einem für den Ermittler so persönlichen Fall wie „Im Wald“. Ein Fall, der Bodenstein und sein Team vom Hofheimer K11 in den Sommer 1972 zurückführt, als der beste Freund des Kommissars Artur spurlos verschwand. Ein Kindheitstrauma, das er nie überwunden hat und dass die Ermittlung in den neuen Mordfällen maßgeblich beeinflusst.

„Die Sonne ist eine bleiche Scheibe am Himmel… . Geh‘, schreit die Stimme in meinem Kopf.“ Schon mit den ersten Zeilen, die Bergmann aus dem Nele- Neuhaus-Krimi las, kündigte sich das drohende Unheil an. Totenstill war es im Raum, als Bergmann vorlas, wie ein Wohnwagen in Flammen aufgeht und sich der Ermittler auf den Weg zum Tatort macht. „Er hatte schon viele Leichen gesehen, doch an den Anblick gewöhnte er sich nie.“ Schließlich stirbt ein Unbekannter im Feuer, eine alte Frau wird ermordet und im Dorf herrscht Schweigen.

Für einen kurzen Moment der Heiterkeit sorgte die Buchstelle, an der Bodenstein gezwungen ist, seine siebenjährige Tochter Sophia nachts um drei Uhr mit zur Brandstelle zu nehmen.

„Gibt’s   Tote? Nur Brandstiftung? Schade. Greta hat ihre tote Oma gesehen. Das ist ungerecht.“ Warum es Sophia im Film nicht gibt, erläuterte Tim Bergmann den Zuhörern. „Beim Filmen mit Kindern gibt es strikte Bestimmungen, so dürfen sie beispielsweise nachts nicht drehen.“ Die Funktion von Sophia habe im Film also eine andere Figur übernehmen müssen. Nach einer Pause wurden die Zuhörer dann noch tiefer in die Emotionen Bodensteins eingebunden: „Er kannte jeden, Opfer und mögliche Täter.“ Schnell wird klar: Die Spur führt in die Vergangenheit und „Artur ist der Schlüssel zu unseren Fällen.“ Wie Bodenstein mit dieser Erkenntnis umgeht, las Bergmann ausführlich und ergreifend. Es geht sogar so weit, dass man Bodenstein den Fall wegen Befangen- heit entziehen will. Ob es dazu kommt, ließ Bergmann offen.

Der Schauspieler betonte, dass alle im Buch vorkommenden Orte – wie beispielsweise der Campingplatz – tatsächlich existieren. Auch der Film sei an Originalschauplätzen gedreht. Einzig der Wohnwagenbrand wurde im Studio realisiert. Auch die Szenen in der Rechtsmedizin habe man an Originalschauplätzen in Frankfurt gedreht.  „Wenn eine frische Leiche reinkam,  mussten wir eine Pause machen“, erinnerte er sich. „Rechtsmediziner haben einen wichtigen verantwortungsvollen Job“, unterstrich er.

Bergmann, der auch die Rolle des Dr. Fred Abel in der Michael-Tsokos-Verfilmung „Zersetzt“ – im November bei Sat 1 zu sehen – übernommen hat, hofft, auch in der nächsten Nele-Neuhaus-Ver- filmung mit dabei zu sein.

Quelle: www.giessener-anzeiger.de Artikel vom 01.10.2018